Unter dem Titel “Selbständige suchen 20120 nach neuen Geldquellen” berichtet Barbara Forstner in Wirtschaftsblatt online ( 3.1.2012) über Umfrageergebnisse zur Wirtschaftsentwicklung bei JungunternehmerInnen. Ich finde es spannend die unten dargestellten Ergebnisse mit unseren Erfahrungen zu vergleichen. Die sichere und nachhaltige (Re-)Finanzierung von (jungen) Unternehmen aus den Branchen, die das Alltagsleben der Menschen sichern, ist ein Thema, das uns ständig begleitet.
Folgende Statistik ergibt sich aus der Umfrage:
- 70% der Befragten sehen eine neue Wirtschaftskrise,
- 80% sind sich sicher gut gerüstet zu sein,
- 30% können ihren Finanzierungsbedarf nicht abschätzen,
- 25% wollen investieren,
- 28% werden die Investitionen kürzen,
- für 89% sind Banken die wichtigsten Finanzierungspartner und
- für 80% sind Förderungen eine wichtige Geldquelle
Diese Zahlen kann ich durchaus nachvollziehen. Die tägliche Praxis zeigt uns, dass Banken zwar noch immer die wichtigsten Finanzierungsstellen für (Jung-)Unternehmen sind, allerdings werden sie kaum mehr als “Partner” gesehen. Finanzierungsmöglichkeiten, egal ob für neue Investitionen oder als Betriebsmittelkredit, oder um eine schwierige (Anlauf-) Zeit zu überbrücken, sind rar. Die vielen KMU, die auf Grund Ihrer Tätigkeit kein entsprechendes Technologie- oder Innovationsprofil nachweisen können, deren Finanzbedarf unter einer bestimmten Höhe liegt, oder die nicht aus der Langzeitarbeitslosigkeit gründen und dadurch gute Chancen auf einen Mikrokredit haben, haben es schwer, wenn sie Banken als Partner gewinnen wollen.
- 44.000 verschiedene Förderungen gibt es derzeit in Österreich
- Business Angels und Venture Capital-Geber gibt es kaum und wenn, dann bleiben sie nicht lange
Auch wenn wir uns gemeinsam mit unseren Foerderblog-Partnerinnen laufend mit den nationalen und internationalen Fördermöglichkeiten beschäftigen, die im Artikel angeführte Gesamtzahl der nationalen Förderungen hat auch mich erschüttert. Vor allen Dingen muss man wissen, dass Förderungen zukunftsgerichtete Aktivitäten unterstützen können, aber niemals ausfinanzieren. Projektfinanzierungen können manchmal eine sehr hohe Förderquote haben und sind oft die Basis für Forschung und Weiterentwicklung, aber auch diese Mittel können nicht das ganze Unternehmen sichern. Die Unterstützung durch Förderungen muss außerdem gut geplant sein, denn in aller Regel werden Förderungen nur gewährt, wenn diese bereits vor Projektbeginn beantragt wurden.
Die Hilfe durch Business Angels oder Venture Capital wollen viele Unternehmen gar nicht andenken, oft aus Angst die Kontrolle über das eigene Unternehmen zu verlieren. Die Angst ist unbegründet, denn wie auch im Artikel zu lesen ist, steht diese Finanzierungsform bisher fast nur im IT-Bereich zur Verfügung. Auch da sind diese Finanzierungs- undBeteiligungsformen, so liest es sich im Artikel, leider oft keine zuverlässige Unterstützung, die zur Verfügung steht so lange sie gebraucht werden.
Hier finden Sie den Artikel als PDF zum Nachlesen.
Am Montag, den 9. Jänner treffe ich in Wien meine KollegInnen aus der Experts Group “Bonitätsmanagement und Controlling” zum ersten Quartalsmeeting in diesem Jahr. Besonders freue ich mich auf den Fachvortrag von Dr. Walter Bornett (KMU-Forschung Austria), “Finanzierungs- und Ertragslage der KMU in Österreich” und die anschließende Diskussion. Es wird mit Sicherheit ein spannender Know-how Austausch.